Forschungergebnisse zum Wissenschaftsjournalismus
Anbei eine Reihe nicht mehr ganz fangfrischer Forschungsberichte des Institutes für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin
Qual der Wahl
Wie Medizinredakteure ihre Themen aussuchen und dabei den Vorgaben des Wissenschaftsbetriebs folgen
PAHL, Carola: Die Bedeutung von Wissenschaftsjournalen für die Themenauswahl in den Wissenschaftsressorts deutscher Zeitungen am Beispiel medizinischer Themen. Magisterarbeit Berlin 1997 >>>
... wie findet man Themen, für die sich ein Redakteur - und hoffentlich auch der Leser - interessiert? Wer Wissenschaftsjournalismus betreiben will kommt an der Lektüre von Fachzeitschriften nicht vorbei. Themen, die in den Wissenschafts-Journalen "Nature", "Science" und "New England Journal of Medicine" erscheinen, werden von Wissenschaftlern stark beachtet. Diese und andere major journals sind auch die Quelle für viele Zeitungsartikel zu wissenschaftlichen Themen.
...Insgesamt wurden 3.383 Artikel im Wissenschaftsteil der acht überregionalen Tages- und Wochenzeitungen ausgewertet (FAZ, SZ, ND, FR, taz, Welt, Zeit und Woche). Etwa 35 Prozent davon waren medizinische Artikel (1173). Von diesen ließen sich 351 Artikel (rund 40 Prozent) auf einen Bericht in einem der führenden Wissenschaftsjournale zurückführen.
Wissenschaft per Nachrichtenagentur
Die Wissenschaftsberichterstattung der Nachrichtenagenturen
und ihr Niederschlag in der Presse.
GÖPFERT, Winfried/ KUNISCH, Philipp: Wissenschaft per Nachrichtenagentur – Forschungsbericht – Berlin,1999 >>>
...Alles zusammengenommen läßt sich sagen: Rund die Hälfte der Wissenschaftsberichterstattung in deutschen Zeitungen wird von den Agenturen geliefert, hauptsächlich von dpa. Dabei
muß man wissen, daß bei dpa nur zwei Wissenschaftsredakteurinnen und einige wenige spezialisierte
Korrespondenten tätig sind. Von diesen Agenturmitarbeitern allerdings stammt mehr als ein Drittel der gesamten Wissenschaftsberichterstattung in den Zeitungen Deutschlands. Die anderen Agenturen setzen überhaupt keine Spezialkräfte für das Themengebiet Wissenschaft ein.
Es besteht also ein großes Mißverhältnis...
Das Rechercheverhalten deutscher Wissenschafts-journalisten/innen
Ergebnisse einer repräsentativen Befragung
STAMM, Ursula: Forschungsbericht Recherchemethoden von Wissenschaftsjournalisten und - journalistinnen Berlin 1995 >>>
Insgesamt wurden in Deutschland 1.700 hauptberufliche Wissenschaftsjournalisten/innen ausgemacht. ....95 Prozent stimmen der Aussage zu, daß Faktenvermittlung eine der Hauptfunktionen der Wissenschaftsberichterstattung ist. Kritik- und Unterhaltungsfunktion halten die Wissenschafts- journalist/innen für weniger wichtig. Geht es konkret darum, Wissenschaftler/innen mit unterschiedlichen Auffassungen zu einem Thema zu befragen, so geben 40 Prozent der Wissenschaftsjournalist/innen an, dies "sehr oft" oder "oft" zu tun (44% "gelegentlich, 16% "selten" oder "sehr selten")....
Wie die Wissenschaftsjournalist/innen die Wissenschaftler/innen sehen: Das Fazit fällt überwiegend positiv aus: 72% der befragten Journalist/innen beurteilen den Kontakt als "überwiegend gut". Dennoch werden Kritikpunkte
genannt: An erster Stelle steht mit 78 Prozent die Erfahrung, daß die Aussagen von Wissenschaftler/innen unverständlich sind, gefolgt von der Klage, daß Wissenschaftler/innen allzu oft eine Korrekturvorlage des Manuskripts erwarten (68%); die Beobachtung, daß Wissenschaftler/innen nicht in der Lage sind, sich von der rein wissenschaftlichen Sichtweise
zu lösen, rangiert auf Platz drei (65%). Es folgt die Erfahrung, daß Wissenschaftler/innen nicht auf journalistische Anforderungen (z.B. Länge eines Statements) eingehen wollen (60%). Ihre "Bringschuld" haben die Wissenschaftler/innen offensichtlich erkannt, denn eine grundsätzliche Auskunftsverweigerung haben nur 15 Prozent der Journalist/innen erfahren.
Unis im Netz
Wie präsentieren sich deutsche/amerikanische/private und staatliche Universitäten im Internet?
KALBE, Andrea: Unis im Netz Eine Inhaltsanalyse von WWW-Angeboten ausgewählter deutscher und US-amerikanischer Universitäten. >>>
Das Internet boomt. Doch die Universitäten nutzen das Netz zur Wissenschaftskommunikation erst zögerlich und unvollkommen. In einer Inhaltsanalyse wurden amerikanische und deutsche, staatliche und private Unis und ihr Webangebot verglichen: Wer wissenschaftliche Inhalte sucht, ist erst mal frustriert ...
Wissenschaft im Fernsehen
Eine Vergleichsstudie 1992 – 1997
SCHOLZ, Esther/GÖPFERT, Winfried Wissenschaft im Fernsehen Eine Vergleichsstudie 1992 – 1997. Berlin 1998 >>>
...im Vergleich zur Untersuchung von 1992, die 627 Wissenschaftsprogramme mit einer Laufzeit von 24.150 Minuten ermittelt hatte, ist dies eine Zunahme um 48 Prozent (nach Minuten, normiert). Zahl und Umfang der Wissenschafts- sendungen haben also innerhalb von 5 Jahren bedeutend zugenommen.
Sendungen mit Themen der Inhaltskategorie „Natur“ treten nach wie vor am häufigsten auf. Die Mehrheit dieser Sendungen sind Tiersendungen. Einzelne Tierarten werden beobachtet und die Verhaltensmuster analysiert. Mit deutlichem Abstand folgen dann die Inhttp://www.blogger.com/img/gl.link.gifhaltskategorien „Medizin“ und „Technologie“.
Auch 1992 traten Sendungen der Inhaltskategorie "Natur" am häufigsten auf. Es folgten dann die Kategorien "Medizin" und "Umwelt"...
Umweltsendungen im Fernsehen – besser als ihr Ruf?
Politmagazine schätzen mehr den aktuellen
Skandal, während die Umweltmagazine
gern positive Mutmacher servieren.
PERSITZKY, Christine : Umweltberichterstattung im deutschen Fernsehen Eine inhaltsanalytische Untersuchung - Forschungsbericht – Berlin, 1997 >>>
...Gut ein Drittel der untersuchten Umweltbeiträge in den Umweltsendungen hat eindeutig positive Tendenz, zeigt Erfolge oder nachahmenswerte Beispiele. Sogar beim Publikum
unbeliebte Themen, z. B. Umweltschäden durch Verkehr oder Tourismus, lassen sich ohne erhobenen Zeigefinger präsentieren. Damit scheint auch die Gefahr gebannt, die Zuschauer mit Kritik an ihrem persönlichen Verhalten zu vergrätzen. Anders die Politikmagazine: Sie verharren in ihrer Tradition der negativen Berichterstattung, nur 6 Prozent der
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