Reimen für die Wissenschaft – Muss das sein?
Die Sache an sich ist nicht neu: Bildungsangebote kleiden sich mitunter im jugendkulturellen Gewande. Ob nun der Englisch-Lehrer ein angesagtes Schmankerl aus der heimischen Plattenkiste zur Text-Analyse kredenzt oder im Deutsch-Unterricht die Verse von Schiller und Goethe (mit Unterstützung der lokalen Freizi/HipHop Posse) zu massiven Beats gerappt werden: die pädagogische Trickkiste bedient sich gern in der Popularkultur.
Das Ansinnen quasi zielgruppenadäquater Vermittlungsangebote ist zwar löblich, doch neben Fremdscham schleicht sich hier (zumindest bei mir) regelmäßig auch das Gefühl der systemischen Vereinnahmung ein. Aber wer würde dem tapsigen Nerd, der gerade dank einschlägiger Broadcast Yourself Angebote zu einer gewissen Beliebtheit gelangt ist, persuasive Kommunikationsstrategien unterstellen?
So etwa der Rapperin vom Europäischen Kernforschungszentrum CERN die mit einem nicht zu verleugnenden Flow die aktuelle Forschungsarbeit im Large Hadron Collider (LHC, zu deutsch Großer Hadronen-Speicherring) erläutert. Ziel der Experimente mit dem Teilchenbeschleuniger ist es, die Existenz bislang nicht entdeckter Elementarteilchen nachzuweisen. Die eingängige Hookline verführt in DeLaSoul-Manier zum Kopfnicken und Mitrappen. Fazit: Gut gemeint und doch Ulknudelesque.
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