Mogeln für die Wissenschaft
Wie ehrlich ist die Wissenschaft? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Symposiums des DFG vom 19.-20.Oktober in Hamburg. Eine Umfrage unter 3000 US-amerikanischen Wissenschaftlern erbrachte kürzlich, dass gut 30% bei ihren wissenschaftlichen Publikationen schon einmal "gemogelt" hätten. Die Sprecherin des Ombudsman-Wesens der DFG in Deutschland, Frau Prof. Dr. Ulrike Beisiegel, schätzt, dass diese Zahlen auch auf andere Länder und auch auf Deutschland übertragbar sind. Sie macht den steigenden Druck auf die Wissenschaftler zu publizieren hierfür verantwortlich, auch das deutsche Fördersystem würde die Zahl der Publikationen immer mehr in den Vordergrund stellen. Es müsse aber wieder eine Rückbesinnung auf "Qualität statt Quantität" geben, so Beisiegel.
Um gute wissenschaftliche Praxis zu garantieren, nutzt das Wissenschaftssystem in Deutschland Ombudsgremien als unabhängige Organe der Selbstkontrolle. Ombudsgremien gibt es an allen deutschen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und als zentrale Ombudsgremien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Diese sind im universitären Betrieb sowie bei außeruniversitären Forschungseinrichtungen allerdings noch immer nicht generell akzeptiert. Auf der anderen Seite muss eine präventive Grundausbildung zur guten wissenschaftlichen Praxis an unseren Universitäten ständig verbessert werden. All diesen Themenkreisen widmet sich das zweite "Symposium der deutschen Ombudspersonen", das als gemeinsame Veranstaltung des DFG-Ombudsmans und der DFG vom 19. bis 20. Oktober 2006 an der Universität Hamburg ausgerichtet wird und zu dem auch Vortragende aus Europa und den USA erwartet werden.
In erster Linie dient das Symposium dem Erfahrungsaustausch und der Koordination der Ombudspersonen auf nationaler Ebene. Zudem soll es den Dialog mit der Öffentlichkeit fördern. Dazu dient eine öffentliche Abendveranstaltung über "Unredlichkeit in der Wissenschaft - Arbeitsstress oder persönliches Versagen?" am 19. Oktober um 19.00 Uhr mit einem Vortrag von Professor Johannes Siegrist, Düsseldorf, sowie eine abschließende Podiumsdiskussion. Hier erörtern Redakteure der Wochenzeitung "Die Zeit" und des "Hamburger Abendblatts" gemeinsam mit dem Generalsekretär der DFG, Dr. Reinhard Grunwald, mit Professor Wolfgang Löwer als Vertreter des DFG-Ombudsmans sowie Holger Wormer, Professor für Wissenschaftsjournalismus an der Universität Dortmund, am 20. Oktober um 10.00 Uhr über das Thema "Alltag in der Wissenschaft - Öffentliches Interesse an guter wissenschaftlicher Praxis?" (Moderation: Professor Ulrike Beisiegel).
"In einer Zeit, in der die wirtschaftliche Entwicklung stark von der Wissenschaft, also der Erarbeitung von neuem Wissen abhängt und der Druck auf Forscher stetig steigt, sind Ombudsgremien wichtiger denn je", betont Professor Ulrike Beisiegel, die derzeitige Sprecherin des 1999 eingerichteten DFG-Ombudsmans. Er hat die Aufgabe, bei Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten zu prüfen, ob die von der DFG erarbeiteten und 1998 publizierten Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis eingehalten wurden. Der Ombudsman der DFG steht allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unmittelbar und unabhängig von einer DFG-Förderung zur Beratung und Unterstützung in Fragen guter wissenschaftlicher Praxis zur Verfügung.
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