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rezensionen
Archiv für: 2006
13.10.06

Was sind die üblichen Unterlagen und wann ist der richtige Zeitpunkt für Urlaub? Dürfen Studierende zu spät in eine Vorlesung kommen und wie verfasst man eine Hausarbeit? Wer ist ein Science Star und wer Feuilletonwissenschaftler? Gibt es gerechte Auswahlverfahren und wie führt man Bleibeverhandlungen? "Der Campus-Knigge" bringt Licht ins Dickicht dieser meist ungeschriebenen Regeln. Über fünfzig renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeichnen in nahezu 200 Stichworten ein disziplinen- und personenbezogenes Panorama jener Verhaltensweisen, die für Wissenschaft und Universität typisch, oft aber umstrittenen sind. Das Buch erschien im September 2006 bei C.H. Beck und stieß bereits vor Erscheinen auf reges Interesse in Medien und Öffentlichkeit.
Die Herausgeber - Miloš Vec, Bettina Beer, Eva-Maria Engelen, Julia Fischer, Alexandra M. Freund, Rainer Maria Kiesow, Martin Korte, Ulrich Schollwöck und Hildegard Westphal - sind Mitglieder der Arbeitsgruppe "Manieren!" der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Der interdisziplinären Arbeitsgruppe geht es darum, Stil und Manieren der Wissenschaft(ler) nicht wie oft als Appendix zu den "eigentlichen" Inhalten abzutun, sondern als Konstituens zu behandeln. Denn Stil und Inhalt, so die Vermutung der AG-Mitglieder, lassen sich auch in der Wissenschaft nicht voneinander trennen.
Die Junge Akademie lädt ein zur Präsentation des Lexikons "Der Campus-Knigge. Von Abschreiben bis Zweitgutachten" am 27.10.2006 um 20 Uhr in der Humboldt-Universität zu Berlin (Hörsaal 3094, 2. OG, im Hauptgebäude, Unter den Linden 6, 10099 Berlin). Nach einer Einführung von Staatsminister a.D. Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin lesen Herausgeber und Autoren ausgewählte Einträge aus dem Lexikon.
Weitere Informationen gibt es hier
12.07.06

>Wroum! Peng! Wahre Wissenschaft mit echtem Spaß. Zack!
Dieses druckfrische Buch ist ein Muss für jeden Comic-Leser und dringend empfohlene Lektüre für alle, denen die moderne Naturwissenschaft immer noch ein Buch mit sieben Siegeln ist. James Kakalios ist ein Comic-Fan und seit 1988 Professor für Physik und Astronomie an der Uni von Minnesota. "Alles was ich über Naturwissenschaften weiß, habe ich aus Comics gelernt", ist dort ein sehr populäres Seminar.
Superman und Spider-Man, der Unglaubliche Hulk - jeder kennt die Comic-Superhelden und ihre übermenschlichen Fähigkeiten, die sämtlichen Naturgesetzen zu spotten scheinen. Aber tun sie es wirklich? James Kakalios ist da anderer Ansicht. Was für ihn als Spielerei begann, um seinen Unterricht spannender zu gestalten, ist in diesem Buch als umfassende Erklärung des Superhelden-Universums aus wissenschaftlicher Sicht angelegt.
Wenn Superhelden aus den Comicbuchseiten oder der Leinwand heraus- und in die Wirklichkeit hineintreten würden, wären sie tatsächlich in der Lage, in einer Welt, die den Gesetzen der Physik gehorcht, ihre Wunder zu vollbringen? Wie stark müsste Superman sein, um "in einem einzigen Satz hohe Gebäude überspringen" zu können? Könnte Storm von den X-Men wirklich das Wetter steuern? Und wie viele Cheeseburger würde Flash in Wirklichkeit essen müssen, um in der Lage zu sein, mit Überschallgeschwindigkeit zu laufen?
Ob Newtons Bewegungsgesetze, Maxwells Thermodynamik oder Einsteins Relativitätstheorie: Kakalios erläutert sämtliche einschlägige Grundprinzipien der physikalischen Wissenschaft anhand von Erscheinungen und Figuren aus der Welt der Superhelden-Comics. Kakalios bezieht die Physik in Comic-Büchern auf real existierende Anwendungen wie Airbags, Mikrowellenherde und Transistoren. Er beweist auch, dass Comic-Bücher häufig schneller als die Wissenschaft gewesen sind, wenn sie neue Themen in der Quantenmechanik (z.B. mit Kitty Pride den von X-Men) und in der Stringtheorie erklärten (z.B. mit "Crisis on Infinite Earths").
Dies ist das Buch für alle, die sich je gefragt haben, ob "Atom", der winzige Superheld, wirklich auf einem Elektron durch eine Telefonleitung reisen könnten, oder ob sich mit Hilfe der elektromagnetischen Theorie erklären lässt, wie Professor X Gedanken liest. In "Physik der Superhelden" zeigt James Kakalios, dass die Helden und Schurken der Comics die Gesetze der Physik häufiger befolgen, als man denkt.
Grundlage dafür ist Kakalios' einzigartige Kenntnis der Comic-Literatur und seine unverhohlene Freude an den Abenteuern der Superhelden. Unzählige Beispiele aus 60 Jahren Comic-Geschichte zeigen, dass vieles, was darin auf den ersten Blick dem Laien wie fantastische Fiktion erscheint, tatsächlich mit der physikalischen Welt, wie die Forschung sie kennt, in Einklang zu bringen ist.
James Kakalios
Physik der Superhelden
Rogner & Bernhard
29,90 €.
22.06.06

Die Vorlesungen der ersten Landauer Kinderuniversität jetzt auch als Buch
Wie kommen Bilder in unseren Kopf? Warum gibt es Hochwasser? Warum tragen Menschen Kleider? Antworten auf diese und viele andere spannende Fragen gibt jetzt das neue Begleitbuch zur ersten Kinderuniversität am Campus Landau.
Im Sommer 2004 sind mehr als 500 Kinder zu den Vorlesungen des ersten Semesters der Kinderuniversität gekommen - und waren begeistert. Sieben Veranstaltungen mit packenden Themen aus so verschiedenen Bereichen wie Biologie, Geographie, Psychologie und Erziehungswissenschaft oder auch Sportwissenschaft und Kulturgeschichte faszinierten die kleinen Studenten.
Jetzt erhalten alle Nachwuchsforscher die Möglichkeit, die interessanten Vorlesungen noch einmal nachzulesen und selbst zu studieren. Auf fast 140 Seiten bietet das Mitte Juni erscheinende Begleitbuch zur ersten Landauer Kinder-Uni jede Menge "Stoff zum Staunen und Entdecken", wie der Präsident der Universität Koblenz-Landau, Professor Dr. Roman Heiligenthal, in seinem Vorwort verspricht. Spannende Themen sind einfach und kindgerecht aufbereitet und bieten sicher auch "höheren Semestern" informative Unterhaltung.
Viele Rätsel und Fragen sowie genaue Anleitungen für Experimente regen in jedem Kapitel den Forscherdrang und den Entdeckergeist der kleinen - oder auch der großen - Studenten an und laden zum Mitmachen ein.
Das Begleitbuch zum ersten Semester der Kinder-Uni ist ab sofort über die Internetseite des Verlags Empirische Pädagogik e.V. (www.vep-landau.de), den örtlichen Buchhandel oder zu den Veranstaltungen der diesjährigen Kinderuniversität (14. Juni bis 14. Juli) zum Preis von 14,90 Euro erhältlich. Weitere Informationen gibt es hier.....
07.06.06

(spektrumdirekt) Der Autor des internationalen Bestsellers und Thrillers "Der Schwarm" hat noch einmal nachgelegt: Frank Schätzing präsentiert in seinen "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" das packende Panorama unserer Urheimat, der Meere und Ozeane. Darf man seinem Intro Glauben schenken, so sind sie eine waschechte "Schnapsidee", entstanden während eines Kneipenabends in Berlin. Etwa achtzig Prozent seiner Recherchen zum "Schwarm" stecken nun in diesem überaus amüsanten Sachbuch, wohlgemerkt nur zehn bis zwanzig Prozent im "Schwarm" selbst: Achtzig Prozent brach liegendes Wissen, die - Gott sei Dank - ebenso fundiert wie salopp an die Frau und den Mann gebracht werden.
Schätzing nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch die Meere, die - wie kann es anders sein - beim Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren beginnt. Vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen: Flott vergehen bei ihm die erdgeschichtlichen Zeitalter, und ebenso schnell vergeht die Zeit bei der Lektüre seiner unterhaltsamen Schilderung des "merkwürdigen" Verhältnisses von Mensch und Meer. Seine "Plaudereien" verlassen aber so gut wie nie den ernsthaften wissenschaftlichen Background.
"Wasser" erklärt Schätzing beispielsweise als molekulares Gedränge, schlimmer als die ersten hundert Reihen bei einem Konzert von Robbie Wiliams. Damit kann doch jeder etwas anfangen, oder etwa nicht? Womit nicht gesagt sein soll, dass das Buch auch für jedermann "etwas sein dürfte".
Die Evolution ist eine elegante Dame, der wir ausnahmsweise in die prall gefüllte Handtasche schauen dürfen: Ammoniten - alle mit "Bausparvertrag" - bauen hübsche Eigenheime, Saurier proben den Klassenkampf und auch der Jurassic Park mit seinen Meeresechsen fehlt nicht in dem zum Teil absurd anmutenden Panoptikum unserer Herkunft. Das "Imperium der Armleuchter" in den Dunkelzonen der Meere wird ebenso beleuchtet wie das "Tiefgeschoss der Schöpfung", in dem Venuskörbchen - am Grund der Tiefseegräben festgewachsene Glasschwämme - schier verrückt würden über die Vorstellung, die Vielfalt des Lebens nähme nach oben hin zu. Aber, so der Autor, glücklicherweise werden die Schwämme nicht verrückt; auch führen sie keine gelehrten Disputationen, denn, wenn es ihnen an etwas mangelt, dann an Hirn.
Dem Autor nicht, wie der Leser schnell erkennt, Frank Schätzing paart viel Sachverstand mit noch mehr Ironie. Die Ironie scheint ihm angeboren, doch: Woher hat er all das Detailwissen der verschiedensten Disziplinen? Die Danksagung gibt Aufschluss. Zahlreiche Wissenschaftler, Forscher und Publizisten unterstützten ihn bei seinen Recherchen. Zum Glück kommt bei all dem anspruchsvollen Amüsement eins nicht zu kurz: ein Plädoyer für das immer noch unbekannte Universum unter Wasser, dem nach wie vor Überfischung, Raubbau und Vergiftung drohen.
Und die Quintessenz aus all dem? Die Meere und Ozeane dieses Planeten bestimmen unsere Zukunft. Lassen wir uns also überraschen, vom "längst überfälligem" Landgang des Riesenkalmars oder der Entwicklung kleiner Kalmare zu intelligenten Wesen oder ...?
Das Buch ist sehr empfehlenswert. Obwohl als Sachbuch konzipiert, ist für den Lesespaß auf über 500 Seiten bestens gesorgt. Das Preis - Leistungsverhältnis empfinde ich als nicht angemessen, da "viel zu billig" für soviel Information.
Susanne Hufmann
Frank Schätzing
Nachrichten aus einem unbekannten Universum
KIEPENHEUER & WITSCH
ISBN: 3462036904
10.04.06

- Fragen zu Gott, der Welt und den großen Religionen
(idw) Wer war Mohammed? Was hat der Hase mit Ostern zu tun? Und haben alle Engel Flügel? Antworten auf diese und weitere dreiunddreißig Fragen sind ab heute in dem Kinderbuch "Frag doch mal die Maus ? - Fragen zu Gott, der Welt und den großen Religionen" nachzulesen. Autor ist der Greifswalder Theologe Prof. Dr. Roland Rosenstock (Foto), der in leicht verständlicher und unterhaltsamer Erzählweise mausschlaue Antworten auf Traditionen, Werte, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der fünf Weltreligionen gibt.
Die Basis für das Buch lieferte eine im vergangenen Sommer durchgeführte Kinder-Frageaktion, die die ARD/WDR-Redaktion der "Sendung mit der Maus" initiierte (siehe Hintergrund). Prof. Roland Rosenstock, der ein Forschungsprojekt zum Thema "Kinder-Medien-Religion" leitet, ist auch an konfessionellen Formaten im Fernsehen ("Die zehn Gebote" KI.KA 2006) und im Internet (http://www.kirche-entdecken.de) beteiligt.
Die aktuelle und öffentliche Debatte um die Mohammed-Karikaturen macht den großen Bedarf deutlich, mehr über die Weltreligionen zu erfahren. Einen Schwerpunkt des Buches bilden deshalb bewusst die Glaubensrichtungen Islam und Judentum. So erfahren die jungen Leser unter anderem, dass sowohl im Judentum und Christentum als auch im Islam einfache Regeln existieren, wie sich der Einzelne Gott vorstellen kann.
Darüber hinaus werden die Leser an vielen Stellen durch selbst erlebte alltägliche Begebenheiten an unterschiedliche religiöse Fragestellungen herangeführt. Beispielsweise ist es ein Zeichen von Achtung und Respekt, wenn die Kopfbedeckung im Unterricht oder in der Kirche abgenommen wird. In der orientalischen Kultur hingegen ist es Brauch, in der Öffentlichkeit eine Kopfbedeckung zu tragen, vor allem dann, wenn eine Moschee oder Synagoge betreten wird.
Abgerundet wird das in kindgerechter Sprache geschriebene Buch durch kleine Experimente, die als Anregung gedacht sind, einmal praktisch mit religiösen Themenstellungen in Berührung zu kommen. So können die Kinder bastelnd erlernen, wofür ein Davidstern steht oder selbst in Erfahrung bringen, welche Bedeutung Kerzen in der Kirche haben.
Geschrieben ist das Buch für alle wissensdurstigen Kinder im Alter zwischen sieben und vierzehn Jahren sowie für alle neugierig gebliebenen Erwachsenen. Die farbigen Illustrationen des im Bertelsmann-Kinderbuchverlag cbj publizierten Buches stammen von der bekannten Hamburger Kinderbuchzeichnerin Antje von Stemm.
Hintergrund
Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köhler startete das Team der "Sendung mit der Maus" (ARD/WDR) im Sommer 2005 eine groß angelegte Kinderfragen-Aktion mit dem Ziel, Deutschlands meist gestellte Kinderfragen zu ermitteln und die gesellschaftliche Relevanz von Kinderfragen in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. Fast 76.000 Fragen gingen von den überwiegend 5- bis 7-jährigen Teilnehmern in die Redaktion ein, die regelmäßig in der bekannten "Sendung mit der Maus" sowie in einer Sachbuchreihe mit den meist gestellten Fragen an die Maus beantwortet werden. Speziell den religiösen Fragestellungen widmet sich das nun in einer Erstauflage von 15.000 Exemplaren erscheinende Kinderbuch. Aus 720 religiösen Fragestellungen wählte der Greifswalder Theologe Prof. Roland Rosenstock gemeinsam mit der Maus-Redaktion und dem Verlag 36 Fragen aus, deren Antworten in dem neuen Kinderbuch nachzulesen sind.
Ab dem 7. April 2006 ist das 192-seitige Buch für 14.90 € im Handel erhältlich.
14.03.06

von John Wesson
Wie brachten Kaltz & Co. ihre Bananenflanken zustande? Hat Oliver Kahn beim Elfmeter höhere Chancen als beim Münzwurf? Wie spielt man einen "tödlichen Pass", und stellt die beste Mannschaft einer Saison am Ende auch den Meister? Fragen über Fragen, deren Klärung sich John Wesson angenommen hat, emeritierter Physiker aus dem Mutterland des Fußballs. Selbst begeisterter Fußballspieler, liefert Wesson in seinem Buch überraschende Erkenntnisse - und bringt ganz nebenbei die mathematisch-physikalischen Muckis seiner Leser in Form.
John Wesson
Wissenschaft mit Kick
Spektrum Akademischer Verlag, 2005
08.03.06

Jungautorin erklärt die Teilchenphysik
„Von einem jungen Ausnahmetalent noch vor dem Abitur verfasst, eröffnet diese Einführung in die Prinzipien der Quantenphysik einen tieferen Einblick in die Welt des Mikrokosmos als so manches populärwissenschaftliche Buch. Das Niveau des Buches liegt genau zwischen der sehr oberflächlichen und formelfreien populärwissenschaftlichen Literatur und der allzu hochgestochenen, von höherer Mathematik gespickten Studienliteratur.“ Verlagstext
Silvia Arroyo Camejo wird derzeit als das Wunderkind der deutschen Fachbuch-Szene gehandelt. Kurz vor dem Abitur hat die inzwischen 20-Jährige ein 250-seitiges Buch über Quantenphysik abgeschlossen, das diese Woche im renommierten Wissenschaftsverlag Springer erscheint: eine Einführung in die skurrile Welt der Teilchenphysik mit all ihren Rätseln, Paradoxien und scheinbaren Verstößen gegen die Gesetze des gesunden Menschenverstands.
Mit 12 habe sie begonnen, sich Fragen über die Welt und den Kosmos zu stellen, die ihr niemand beantworten konnte, erzählt die Autorin in einem Interview mit der Berliner Zeitung: „Ich wollte einfach wissen, wie das alles funktioniert.“ Angefangen mit Was-ist-Was-Büchern, dann mit populärwissenschaftlicher Literatur, später mit Fachbüchern über Quantenphysik erlas sich der Physikbegeisterte Teenager ein beachtliches Wissen über ein doch eher sperriges Themenfeld. Mit 17 entschied sie ihr gesammeltes Wissen in einem dreibändigen Werk festzuhalten: ein Buch zur Quantenphysik, eins über Elementarteilchen und eins zur Kosmologie. Jeden Tag schrieb sie – allerdings zunächst nur für sich selbst.
Als das Buch über Quantenphysik fertig war, kam ihr die Idee, es von einem Fachmann beurteilen zu lassen. Sie schickte das Manuskript an den Heidelberger Quantenphysiker Hans Dieter Zeh – und der war so begeistert, dass er es gleich dem Springer-Verlag empfahl.
Silvia Arroyo Camejo
"Skurrile Quantenwelt"
Springer 2006
ISBN 3-540-29720-0
06.03.06

Essays zum Verhältnis von Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit
(Spektrum der Wissenschaft 3/2006)
Wissenschaft genießt in den Medien eine wachsende Aufmerksamkeit, zu erkennen an der Vielzahl der Magazine und Sendereihen, die rings um dieses Thema hervorsprießen. Auf der anderen Seite suchen die Wissenschaftler verstärkt den Kontakt zu den Medien, weil ihnen seit geraumer Zeit ein Wind der Veränderung ins Gesicht bläst.
Nach Ansicht von Peter Weingart, Professor für Soziologie an der Universität Bielefeld, bröckeln die althergebrachten Züge des akademischen Stands. Konnten Naturforscher in vergangenen Zeiten in der Abgeschiedenheit ihrer Labore oder Denkerstuben relativ ungestört von der breiten Öffentlichkeit Neues ersinnen, fordert die demokratisch geprägte Gesellschaft nunmehr frühzeitig Rechtfertigung und Effizienz für jegliches Handeln, also auch für wissenschaftliches.
Unterstützung findet die Allgemeinheit in der Politik. So rief Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn noch kurz vor Ende ihrer Amtszeit die Wissenschaft zur Aussprache mit der breiten Masse auf und verwies ausdrücklich auf die Initiative "Wissenschaft im Dialog". Die Wissenschaft, so Weingart, orientiert sich daher zunehmend an den Medien. Sie sollen als Mittler und "Multiplikatoren" für den Gedankenaustausch dienen. Daher schmückt sich heute jede Festveranstaltung einer renommierten Forschungsorganisation mit telegenen Moderatoren wie Ranga Yogeshwar oder Joachim Bublath.
Das bleibt nicht folgenlos, wie Weingart in der vorliegenden Aufsatzsammlung detailliert darlegt. Er bezeichnet sie als Essays, um auszudrücken, dass er sie nicht ausschließlich für die akademische Fachgemeinde schrieb. Dennoch wird ein Nichtsoziologe zuweilen ein Fremdwörterbuch zur Hand nehmen müssen; ein Kapitel ist zudem auf Englisch. Den Gedanken des Autors zu folgen lohnt aber allemal. Er geht nicht nur auf die Wechselbeziehungen zwischen der Wissenschaft und den Medien ein, sondern ebenso auf die Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, der Politik beispielsweise oder der breiten Öffentlichkeit. Der Rolle der Wissenschaft in Spiel.
Ihnen widmet er sogar ein eigenes Kapitel. Ausgespart bleiben dagegen die Verstrickungen der Wissenschaft mit der Wirtschaft und der Industrie, die Weingart in "Die Stunde der Wahrheit? Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft" (Velbrück, 2001) ausführlich beschrieben hat.
Doch trotz aller Anstrengungen kann sich die Forschergilde nicht sicher sein, ob sich die Öffnung vorteilhaft für sie auswirkt. Zumindest, so argumentiert der Autor, gebe es keine gesicherten Erkenntnisse darüber, wie sich deren derzeitige mediale Präsenz in der Haltung der Öffentlichkeit zur Wissenschaft niederschlägt.
Die naive Erwartung, dass ein gesteigertes Interesse gleichzeitig Vertrauen schaffe, widerlegt Weingart kurzerhand mit Untersuchungen zur Gentechnik. Besonders beeindruckend beleuchtet der Verfasser die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Wissenschaft und Politik. Der Erkenntnis "Wissen ist Macht" hat die Forschung wohl ihre gesellschaftliche Stellung zu verdanken. Um ihre Entscheidungen in einer immer komplexer werdenden Welt zu legitimieren, greifen die Gesetzgeber zunehmend auf das Urteil von Experten zurück. Dies ist zwar kein Muss für eine Staatsmacht. Es ist aber kaum vorstellbar, dass sich eine demokratisch gewählte Regierung an der Macht halten kann, wenn sie bei einer Schlüsselfrage gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse einfach beiseite schiebt und sich stattdessen für einen erkennbar irrationalen Weg entscheidet.
Gleichwohl steht Wissenschaft für die Suche nach der (absoluten) Wahrheit, nicht für deren Besitz. Daher gibt es zu jeder Fachmeinung in der Regel eine Gegenposition. Dies machen sich Politiker gern zunutze, wie Weingart dezidiert am Beispiel des wissenschaftlichen Disputs um den Aidskonflikt in Südafrika beschreibt.
Auch wenn Weingarts neues Buch nicht ganz an "Die Stunde der Wahrheit?" heranreicht, lohnt die Lektüre. Sie vergegenwärtigt allen, die sich für Wissenschaft begeistern oder an ihr teilhaben, die enge Verbindung zu anderen gesellschaftlichen Gruppen und hilft darüber hinaus, sich über die eigene Rolle Klarheit zu verschaffen.
Peter Weingart
Die Wissenschaft der Öffentlichkeit
Essays zum Verhältnis von Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit
VELBRÜCK
ISBN: 3934730035
03.03.06

Kein anderer Wissenschaftler berichtet so originell und zugleich fachlich gekonnt über die Physik der alltäglichen Dinge wie Len Fisher. Sein Buch "Reise zum Mittelpunkt des Frühstückseis" war ein Verkaufserfolg.
Im neuen Buch des Physikers, der an der Universität Bristol lehrt, geht es um bizarre Ideen aus der Wissenschaftsgeschichte, die oft den Spott der Zunft ernteten. Doch vieles scheinbar Verrückte brachte die Wissenschaft erst auf die Sprünge: etwa die Experimente des Physiologen Luigi Galvani, der Froschbeine mit Stromimpulsen zum Tanzen brachte und dabei die Bedeutung der Elektrizität in Nervenzellen entdeckte. Und Benjamin Franklins Abenteuer beim Drachensteigen im Gewitter trugen entscheidend zur Entwicklung von Blitzableitern bei.
Auch die Idee des amerikanischen Arztes Duncan Mac Dougall, Sterbende zu wiegen, um das Gewicht der Seele zu bemessen, sollte eine alte umstrittene Frage der Wissenschaft nach der Substanz der Seele beantworten. Schon Leonardo da Vinci hatte auf der Suche nach der Seele die Gehirne Verstorbener seziert.
Fisher macht wissenschaftliche Theorien auch für Laien lebendig, indem er beschreibt, wie sich das Denken der Forscher im Zuge Hunderter Experimente veränderte. Dabei gab es natürlich immer wieder Fehlschläge. Doch Fisher berichtet nicht nur von spektakulären Irrtümern anderer, sondern auch von Pannen aus dem eigenen Denklabor. Einen wirklich guten Forscher zeichne eben auch eine Portion Verrücktheit aus, lautet sein Credo.
Fisher ist inzwischen ein gefragter Gast in den Medien – nicht zuletzt wegen seiner skurrilen Forschungsprojekte, etwa der Untersuchung der optimalen Eintunkzeit von Keksen, für die er den satirischen Ig-Nobel-Preis erhielt. Seine Fähigkeit, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen, gepaart mit einer überbordenden Experimentier- und Erzähllust sind das Erfolgsrezept für sein überaus lesenswertes Buch.
Len Fisher
Der Versuch, die Seele zu wiegen
und andere Sternstunden von Forschern und Fantasten
Verlag: Campus, Frankfurt 2005
ISBN: 3-593-37765-9
17.02.06
Aus den Geheimarchiven des Spaß-Nobelpreises
Die Zeitschrift „Annals of Improbable Research (deutsch etwa: Jahrbücher der Unglaublichen Forschung) erscheint alle 2 Monate in Cambridge (USA) und widmet sich (meist) echten wissenschaftlichen Arbeiten, die einen witzigen, oft etwas absurden Aspekt haben. Wissenschaftliche Arbeiten, auf die die Welt gewartet hat – etwas ironisch formuliert. Einmal im Jahr verleiht das Magazin die so genannten Ig-Nobelpreise für besonders bemerkenswerte Arbeiten aus diesem Bereich. In „Lachende Wissenschaft“ sind mehrere Beispiele von Preisträgern und Anwärtern auf diesen speziellen Nobelpreis gesammelt. Da wird nach strengen, wissenschaftlichen Kriterien solchen Fragen nachgegangen, wie lange bestimmte Kekse in Tee bzw. Kaffe getunkt werden müssen, um den perfekten Geschmack zu erreichen oder ob Martine wirklich besser geschüttelt als gerührt ist, ein Konstrukteur eines Bärenschutzanzuges gehört zu den Preisträgern und die Frage, warum verheiratete Männer länger leben, wird versucht zu klären.
Es scheint kaum etwas zu geben, das zu absurd ist, um von Wissenschaftlern nicht unter die Lupe genommen zu werden. Und manches Mal ergibt sich aus einer zuerst einigermaßen sinnfrei erscheinenden Nachforschung ein schlussendlich doch recht interessantes und durchaus nützliches Ergebnis. Oft kommt bei Untersuchung von Blödsinn natürlich auch nichts als reichlich Sinnloses heraus. Unterhaltsam ist das Buch allemal, lehrreich nur in sehr begrenzten Umfang aber das eine oder andere Schmunzeln ist garantiert.
Mark Benecke
Lachende Wissenschaft
Lübbe
2005
204 Seiten
ISBN: 340460556X
€ 7,95 [D]
09.02.06

Im Stuttgarter Hirzel-Verlag ist im Januar das Buch "Von Science zu Fiction. Wissenschaft mit anderen Worten" erschienen.
"Die Naturwissenschaften stecken voller spannender Themen, über die es sich zu schreiben lohnt. Aber - wie fängt man es an? Wir zeigen, wie Wissenschaft Schule machen kann, indem Schülerinnen und Schüler kreative Texte über Themen beispielsweise aus Entwicklungsbiologie, Hirnforschung oder Evolution schreiben." sagt die Herausgeberin Claudia von See,Fachjournalistin und Dozentin im Stuttgarter Literaturhaus.
Entstanden sind diese Texte im Rahmen einer Schreibwerkstatt am Literaturhaus Stuttgart. Die jungen Autoren nutzten Vorträge, Exkursionen, Unterrichtsmaterial und Zeitungsartikel als Inspiration. Außerdem erläutern in diesem Buch Wissenschaftler, Schriftsteller und Journalisten, warum das Schreiben über Naturwissenschaften so faszinierend ist - und auf welchen Wegen sich die vermeintliche Kluft zwischen den Kulturen überbrücken lässt. Schließlich gibt das Buch praktische Tipps für eigene Schreibprojekte.
Krottenthaler, Erwin (Hrsg.) / See, Claudia von (Hrsg.)
Von Science zu Fiction
Wissenschaft mit anderen Worten
ISBN 3-7776-1400-9
Mehr zur Stuttgarter Schreibwerkstatt und einige Texte finden Sie hier....
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