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rezensionen

Ins tiefe Blau

07.06.06

Ins tiefe Blau

(spektrumdirekt) Der Autor des internationalen Bestsellers und Thrillers "Der Schwarm" hat noch einmal nachgelegt: Frank Schätzing präsentiert in seinen "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" das packende Panorama unserer Urheimat, der Meere und Ozeane. Darf man seinem Intro Glauben schenken, so sind sie eine waschechte "Schnapsidee", entstanden während eines Kneipenabends in Berlin. Etwa achtzig Prozent seiner Recherchen zum "Schwarm" stecken nun in diesem überaus amüsanten Sachbuch, wohlgemerkt nur zehn bis zwanzig Prozent im "Schwarm" selbst: Achtzig Prozent brach liegendes Wissen, die - Gott sei Dank - ebenso fundiert wie salopp an die Frau und den Mann gebracht werden.

Schätzing nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch die Meere, die - wie kann es anders sein - beim Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren beginnt. Vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen: Flott vergehen bei ihm die erdgeschichtlichen Zeitalter, und ebenso schnell vergeht die Zeit bei der Lektüre seiner unterhaltsamen Schilderung des "merkwürdigen" Verhältnisses von Mensch und Meer. Seine "Plaudereien" verlassen aber so gut wie nie den ernsthaften wissenschaftlichen Background.

"Wasser" erklärt Schätzing beispielsweise als molekulares Gedränge, schlimmer als die ersten hundert Reihen bei einem Konzert von Robbie Wiliams. Damit kann doch jeder etwas anfangen, oder etwa nicht? Womit nicht gesagt sein soll, dass das Buch auch für jedermann "etwas sein dürfte".

Die Evolution ist eine elegante Dame, der wir ausnahmsweise in die prall gefüllte Handtasche schauen dürfen: Ammoniten - alle mit "Bausparvertrag" - bauen hübsche Eigenheime, Saurier proben den Klassenkampf und auch der Jurassic Park mit seinen Meeresechsen fehlt nicht in dem zum Teil absurd anmutenden Panoptikum unserer Herkunft. Das "Imperium der Armleuchter" in den Dunkelzonen der Meere wird ebenso beleuchtet wie das "Tiefgeschoss der Schöpfung", in dem Venuskörbchen - am Grund der Tiefseegräben festgewachsene Glasschwämme - schier verrückt würden über die Vorstellung, die Vielfalt des Lebens nähme nach oben hin zu. Aber, so der Autor, glücklicherweise werden die Schwämme nicht verrückt; auch führen sie keine gelehrten Disputationen, denn, wenn es ihnen an etwas mangelt, dann an Hirn.

Dem Autor nicht, wie der Leser schnell erkennt, Frank Schätzing paart viel Sachverstand mit noch mehr Ironie. Die Ironie scheint ihm angeboren, doch: Woher hat er all das Detailwissen der verschiedensten Disziplinen? Die Danksagung gibt Aufschluss. Zahlreiche Wissenschaftler, Forscher und Publizisten unterstützten ihn bei seinen Recherchen. Zum Glück kommt bei all dem anspruchsvollen Amüsement eins nicht zu kurz: ein Plädoyer für das immer noch unbekannte Universum unter Wasser, dem nach wie vor Überfischung, Raubbau und Vergiftung drohen.

Und die Quintessenz aus all dem? Die Meere und Ozeane dieses Planeten bestimmen unsere Zukunft. Lassen wir uns also überraschen, vom "längst überfälligem" Landgang des Riesenkalmars oder der Entwicklung kleiner Kalmare zu intelligenten Wesen oder ...?

Das Buch ist sehr empfehlenswert. Obwohl als Sachbuch konzipiert, ist für den Lesespaß auf über 500 Seiten bestens gesorgt. Das Preis - Leistungsverhältnis empfinde ich als nicht angemessen, da "viel zu billig" für soviel Information.

Susanne Hufmann

Frank Schätzing
Nachrichten aus einem unbekannten Universum
KIEPENHEUER & WITSCH
ISBN: 3462036904

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