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wissenschaft & medien

Podcasts halten Einzug in den Wissenschaftsjournalismus

06.12.05

Podcasts halten Einzug in den Wissenschaftsjournalismus

Seit gut einem Jahr gibt es sie, die so genannten "Podcasts": Audiodateien, die von jedermann mit einfachen Mitteln erstellt und via MP3-Player überall gehört werden können. Nachdem es anfangs vor allem Privatpersonen waren, die diese Form der „Radio-Konserve“produzierten, springen nun immer mehr große Medien auf.

Auch wissenschaftliche Journale bieten zunehmend "digitales Radio" an - so etwa "Nature" und das "New England Journal of Medicine".

Nature in den Top-50 weltweit

Wie "Nature" in seiner aktuellen Printausgabe (Bd. 438, Ausgabe vom 3.11.05) stolz berichtet, hat ihre wöchentliche Audio-Show bereits nach der vierten Episode die Top-50 von iTunes erreicht - dem zur Zeit wichtigsten Gradmesser für die Verbreitung von Podcasts.

Bisherige Highlights waren Meldungen zur Herstellung von Stammzellen ohne die Zerstörung von Embryonen, neue Hinweise zu den "Hobbit"-Zwergenmenschen auf der indonesische Insel Flores und ein Vergleich der Briefwechsel von Einstein und Darwin.

Pro Ausgabe gibt es mindestens ein Interview mit einem der beteiligten Forscher, die restlichen Studienergebnisse werden von "Nature"-Journalisten vorgestellt.
Nature Podcast

Aus Printproduzenten werden Audio-Anbieter


Neben "Nature" haben sich bereits eine Reihe anderer renommierter Journale und Institutionen entschlossen, Podcasts für ihre Informationsvermittlung zu nutzen.

Darunter auch das "New England Journal of Medicine" (NEJM), das vor zwei Wochen ein Interview mit der Frauenmedizinerin Susan Wood brachte.

Die ehemalige Abteilungsleiterin bei der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) war Ende August zurückgetreten, da eine übergeordnete Behörde die "Pille danach" trotz eindeutiger Empfehlungen der FDA nicht zum rezeptfreien Verkauf zulassen wollte.
NEJM-Podcast

NASA über Gitarren und Pluto

Die amerikanische Weltraumorganisation NASA bietet ihre Audio-Nachrichten bereits seit einigen Monaten im Podcast-kompatiblen MP3-Format an: darunter überraschende Parallelen zwischen Akustikgitarren und Raketen sowie die jüngste Entdeckung von zwei zusätzlichen Monden des Planeten Pluto.
NASA-Podcast


"Science and the city"


Noch sehr jung ist das Podcast-Projekt der New York Academy of Sciences, dafür mit dem griffigen Titel "Science and the city" und sehr prominent besetzt.

Mitte Oktober kam es zu einer Diskussion des konservativen Bestsellerautors Tom Wolfe mit dem Neurowissenschaftler Michael Gazzaniga über dessen jüngstes Buch "The ethical brain".
Science-and-the-City-Podcast


Nackte Wissenschaft durch Cambridge-Forscher

Einen britisch-humorigen Umgang mit der Wissenschaft pflegen die "naked scientists" auf ihrer gleichnamigen Website. Eine Gruppe von Medizinern und anderen Wissenschaftlern von der Universität Cambridge hat sich seit geraumer Zeit dem "Science goes Public" verschrieben.

Eine Maßnahme dabei sind Podcasts, die aus für die BBC produzierten Sendungen übernommen werden. Zu Beginn werden die Wissenschaftsnachrichten der Woche vorgestellt - aktuell geht es um Bombendetektoren und den Mars -, danach diskutieren darüber Gäste und Zuhörer.
The naked scientists-Podcast

Deutschsprachige Länder hinken noch nach


Im Vergleich zu den englischsprachigen Ländern ist in deutschsprachigen auf dem Gebiet der Wissenschafts-Podcasts noch nicht viel los.

Zu den Podcastern der ersten Stunde in Deutschland gehört Thomas Wanhoff, der seinen Hörern in "Wanhoffs Wunderbarer Welt der Wissenschaft" von Themen wie dem kleinsten (Nano-)Auto der Welt oder dem Streit der Evolutionsbiologen mit den Kreationisten berichtet.

Seit zwei Monaten bietet auch die private "Braincast"-Homepage Audio-Dateien zum Thema Gehirnforschung für Podcasts an.
Wanhoffs Wunderbare Welt der Wissenschaft
Braincast


Zwei Grundtendenzen

Damit sind auch zwei Grundtendenzen des Podcast-Phänomens umrissen. Einerseits die Möglichkeit für Privatpersonen, mit einfachen Mitteln und nahezu kostenfrei eigenes Radio zu machen - benötigt wird nur ein PC mit Mikrofon, Aufnahme-Software und ein Web-Server - und dank Internet auf eine potenziell riesige Zuhörerschaft zu hoffen.

Andererseits die Ausbreitung (wissenschaftlicher) kommerzieller Journale in andere mediale Gefilde - so wie bei "Nature", das sich nun auch als "digitales Radio" versteht.

Quelle: science.ORF.at

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