Powered by scienceintermedia
wissenschaft & medien

Archiv für: Februar 2006

16.02.06

Vom TV-Junkie zum Bildungsbürger?


Wissenschaftsformate erfreuen sich im deutschen Fernsehen zunehmender Beliebtheit. Fristeten sie bis Anfang der 90er-Jahre ein Nischendasein, sendet heute nahezu jedes TV-Vollprogramm mindestens ein Wissenschaftsformat – und das meist zur primetime. Ziel der science shows: einem interessierten Zuschauerkreis wissenschaftliche Erkenntnisse und Entwicklungen zu vermitteln, die auch Alltagstauglich sind.

Doch wie gehen die Zuschauer mit solchen Angeboten um? An welche Inhalte erinnern sie sich und wie verstehen sie diese. Diese Fragen untersucht die Friedrich-Schiller-Universität in Jena in einem Forschungsprojekt: Erste Ergebnisse zeigen, dass Fernsehinhalte von Zuschauern recht unterschiedlich erinnert werden.

Zum Bericht von Jutta Milde und Georg Ruhrmann bei attempto

09.02.06

Die Maus-macht-Ah!-Regeln


Antworten auf komplexe Fragen zu finden ist der Anspruch vieler Kinderfernsehmacher. Programme wie Die Sendung mit der Maus und Wissen macht Ah! sorgen regelmäßig für Aha-Erlebnisse – bei jungen und alten Zuschauern gleichermaßen.

Siegmund Grewenig, Leiter der Programmgruppe Kinder- und Tagesprogramme Fernsehen beim WDR, beschreibt die "11 Maus-macht-Ah!-Regeln". Gleichzeitig relativiert Grewenig aber die Tragweite eines solchen Regelwerkes schließlich, so Grewenig, gibt es bei der Wissensvermittlung keine festgeschriebenen Gesetzmäßigkeiten, nur eine Grundhaltung, die lautet:
„Seid neugierig! Haltet die Augen offen! Fragt, bis ihr eine Antwort erhaltet, die euch befriedigt!“

Anbei dennoch die goldenen Regeln aus der Maus-Redaktion:

11 Maus-macht-Ah!-Regeln


1. Geschichten erzählen statt Fakten sammeln

Jeder Film muss eine Geschichte erzählen. An deren Anfang steht eine Frage. Wie kommen die Löcher in den Käse? Wieso macht ein Kontrabass Töne? Wie funktioniert ein Schlüssel? Diese Frage erzeugt Spannung. Und so kann anhand der Frage ein Vorgang erzählt werden, der ohne diese Spannung lange nicht so interessant wäre. So gibt es eine Antwort nach jedem Film, eine Auflösung der Spannung, das viel beschworene Aha-Erlebnis. Jeder Zuschauer hat das Gefühl, Spannung abgebaut zu haben und klüger geworden zu sein. Das verschafft ein tiefes Gefühl der Befriedigung.

2. Identifikation statt Gegenüber

Die Maus will den Zuschauern nicht etwas als Gegenüber erzählen, sondern die Zuschauer gehen gemeinsam mit den Maus-Filmemachern auf Entdeckungsfahrt. "Wir sind die Maus". "Wir waren unterwegs". Nie erscheint der Erzähler allwissend (obwohl er es ist), sondern die Entdeckungen entfalten sich als Versuche mit "Trial and Error". Der Film ist oft die Geschichte der Recherche. Und die Identifikation mit den Protagonisten ist außerordentlich hoch. Sei es, weil Christoph, der Mann mit dem grünen Pullover, sich oft genauso naiv wie ein Kind verhält, sei es, weil Armin, der Mann mit der prägnanten Stimme, den Weg von A bis Z geht, den jeder auch gern mal gehen würde. Insofern sind die Sachgeschichten-Macher Armin und Christoph ein bisschen wie Maus und Elefant.

3. Das Detail ist das Ganze
Es geht nicht darum, dass die Gegenstände "vollständig" erfasst werden. Die Filme sollen am Punkt (möglichst dem wichtigsten) das System veranschaulichen. Weniger ist oft mehr.

4. Sehen statt glauben
Immer erzählt die Maus in realen Bildern. Wenn es irgendwie geht, werden keine Grafiken und keine elektronischen Tricks verwendet. Statt dessen setzt die Maus auf pure Dokumentation. So kann es sein, dass an einem 5-Minuten-Film ein Jahr gedreht wird, bis er "im Kasten" ist.

5. Konkret statt abstrakt
Immer wieder ist es das Ziel, so genau wie möglich am Vorgang selbst zu bleiben. Jeder Sprung zu einem Vergleich ist eine Abstraktion und schwerer zu verstehen, als dem roten Faden zu folgen.
Deshalb erzählt die Maus viele Abläufe, deren Grundlage die Mechanik ist. Denn hier sind Ursache und Wirkung zu sehen. Bei der Elektronik passiert etwas, das nicht zu sehen ist. Dann müssen Vergleiche gefunden werden, die viel schwieriger zu verstehen sind (siehe oben).

6. Kommentar statt Ablesen
Die Art der Kommentierung, die das gesprochene Deutsch in den Kommentar des deutschen Fernsehens eingeführt hat, schafft Distanz zu den Bildern, gibt Freiheiten für trockenen Humor, Spielraum und Spontaneität. Sie gibt auch ein bestimmtes Gefühl, dass in diesem Augenblick etwas wie live geschieht. So hat der Zuschauer den Eindruck, dabei zu sein.

7. Induktiv statt deduktiv
Immer steht das kleine Ereignis, der kleine Gegenstand im Mittelpunkt. Es ist nicht die große Theorie. Die wird en passant mitgeliefert.

8. Ich frage, also bin ich

Es gibt keine, wirklich überhaupt keine dummen Fragen! Alle sollen ermutigt werden zu fragen. Denn es gibt Antworten. Und die machen klüger. Kinder und Erwachsene!

9. Die Antworten müssen stimmen

Die Geschichten sind so gut recherchiert, dass sie korrekt sind. Selbst in den seltenen Augenblicken, in denen das nicht der Fall war, wird der Fehler in einer der nächsten Folgen korrigiert. Das zeigt auch die menschliche Dimension, nämlich nicht alles zu wissen. Zusätzlich entsteht daraus eine neue Frage mit Fortsetzungscharakter.

10. Ein bisschen viel Spaß muss sein
Ohne komische Elemente wäre die ganze Informationsvermittlung lange nicht so eindrucksvoll und einprägsam. An einen Gag erinnern sich alle viel länger als an vieles andere.

11. Regeln sind dazu da, sie zu übertreten

Formate wie Die Sendung mit der Maus oder Wissen macht Ah! leben davon, dass die Regeln auch mal durchbrochen werden, dass Überraschungen stattfinden. Bevor das erste monothematische Special auf Sendung ging, hieß es: Die Maus ist ein Magazin, in dem sich Bilder- und Sachgeschichten abwechseln müssen. Mit der Atom-Maus wurde diese Regel erstmals über Bord geworfen und seitdem gibt es eben die (vielfach preisgekrönten) Maus-Specials.

Zum vollständigen Beitrag von Siegmund Grewenig bitte hier entlang.....

Links zum Thema
Homepage der Sendung mit der Maus

Wissenschaftsfilm in Deutschland – vom Lehrfilm zum Publikumserfolg

Seit die Bilder laufen lernten, wurde das Potential des Films zur Veranschaulichung und Dokumentation wissenschaftlicher Fakten erkannt und genutzt. Der Siegeszug des Fernsehens bot dem Wissenschaftsfilm ein neues Forum – und zwang ihn gleichzeitig, populärer zu werden.

Heute boomen die Wissenschaftsprogramme im deutschen Fernsehen und erreichen breite Bevölkerungsschichten.Das deutsche Fernsehen steckte noch in den Kinderschuhen, da machte sich ein in den USA lehrender Physik-Professor daran, dem Fernsehpublikum in Deutschland zu zeigen, wie spannend Wissenschaft sein kann. Professor Heinz Haber hatte gerade in Los Angeles einen gewissen Walt Disney bei der Konzeption von Themenparks beraten, die einem breiten Publikum Wissenschaft vermitteln sollten. Eben dies wollte er nun auch in seinem Heimatland tun – und wurde damit zum ersten Fernsehprofessor der Nation.

Einen guten Überblick über die Entwicklung in Deutschland vom Wissenschaftsfim der 30er Jahre bis zu neuen Formaten wie nano liefert Martin Schneider in seinem Beitrag.

Zum Beitrag auf den Seiten des Goethe-Instituts......

08.02.06

Mit Apple zum Diplom


Uni-Vorlesungen als Podcasts in den USA

Der PC-Hersteller Apple bietet in den USA ab sofort auch Uni-Seminare und Vorlesungen als Podcasts an. Die Software "iTunes U" steht nach einer Testphase an sechs Universitäten nun landesweit zur Verfügung. Sie ermöglicht es, abonnierbare Audio- oder auch Video-Dateien (Podcasts) auf den Computer oder iPod zu laden.

Das Programm "iTunes U" erlaubt es den Universitäten, zu entscheiden, welches Audio- oder Video-Format sie für ihre Beiträge einsetzen. Sie können auch festlegen, wer auf das Material zugreifen kann. So kann es für alle Interessierten oder nur bestimmte Gruppen freigegeben werden. Die Universität von Stanford macht nicht nur Beiträge öffentlich, sie bietet zudem Sportübertragungen auf der Web-Site an. Einige Hochschulen geben auch ihren Studenten die Möglichkeit, Beiträge ins Netz zu stellen, wo sie von den Professoren begutachtet werden können.

Apples gute Kontakte an den Unis

Die Universitäten in den USA gehören traditionell zu den besten Abnehmern von Apple-Computern. Mit dem "iTunes-U"-Angebot wird dies jetzt noch ausgebaut. Hierbei kommt den Computerhersteller zu Gute, dass die tragbaren iPods dort sehr verbreitet sind und das Online-Musikangebot iTunes sich größter Beliebtheit erfreut.

Open-Access-Online-Magazin setzt auf offenes Bewertungsverfahren

(orf.at/science) "Biology Direct" heißt ein neues Open-Access-Online-Magazin, das kostenlos allen Interessierten offen steht. Auch ein neues Bewertungssystem für wissenschaftliche Arbeiten wurde eingerichtet. Die Gutachter jeder Arbeit werden am Ende jedes Artikels namentlich genannt, wohingegen der etablierte Gutachtensprozess anonym verläuft. Damit sollen Fehler - wie zuletzt beim Skandal um den südkoreanischen Klonforscher Hwang - minimiert werden.

Herausgegeben wird Biology Direct von Biomed Central, einem unabhängigen Verlagshaus, das sich auf die Herausgabe von Open-Access-Online-Magazinen spezialisiert hat. Biomed Central gibt mittlerweile 130 wissenschaftliche Journals heraus, alle publizierten Arbeiten sind "open access", das heißt, für alle Interessierten über das Internet kostenlos zugänglich.

Bisher anonyme Peer Reviews

"Wissenschaftliche Veröffentlichungen funktionieren ohne Peer-Review-System nicht", sagte einer der Gründer des Online-Magazins, David J. Lipman, Leiter des National Center Biotechnology Information (NCBI), einer Abteilung der National Library of Medicine, USA anlässlich des Starts von Biology Direct.

"Allerdings führt die anonyme Begutachtung wissenschaftlicher Arbeiten immer wieder zu Fehlern, die so weit reichend sind, dass sie ohne radikale Kursumkehr nicht mehr korrigiert werden können."

Fälschungen a la Hwang vermeiden

Lipman und seine Mitherausgeber Eugene V. Koonin, Senior Investigator am NCBI, und Laura Landweber, Assistenzprofessorin an der Princeton University, wollen mit einem offenen Peer-Review-System Fehler, wie sie etwa im Fall des südkoreanischen Stammzellforschers Hwang Woo Suk, aufgetreten waren, vermeiden.

Die Arbeiten von Hwang Woo Suk waren in "Science", einem der international renommiertesten wissenschaftlichen Journals, nach dem üblichen anonymen Peer-Review-Verfahren begutachtet und beurteilt worden waren. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Forscher seine Arbeiten größtenteils gefälscht hatte. Bemerkt hatte das keiner der Gutachter.

Biology Direct >>>

07.02.06

Bild klärt auf


Wenn die Bildzeitung über Wissenschaft berichtet, dann nicht ohne es ordentlich „krachen“ zu lassen. Auch unlängst setzte man bei Bild mal wieder auf die bekannte „Zuspitzung“ der Sachverhalte.
"Bild" berichtete in der Samstagsausgabe über die Ergebnisse der Deep-Impact-Mission und will dabei die Formel des Lebens entdeckt wissen.

Die im Text zitierte "NASA-Wissenschaftlerin" stellt sich dabei scheinbar gern in den Dienst einer guten Schlagzeile:

Nasa-Wissenschaftlerin Jessica Sunshine, eine der Verantwortlichen für die "Deep-Impact"-Mission: "Da hat man alle Zutaten für die Entstehung von Leben."

Was Jessica Sunshine, die eigentlich für für die Science Applications International Corporation (SAIC) arbeitet, tatsächlich gesagt ist unter anderem hier nachzulesen. Laut Sunshine sei es tatsächlich möglich, dass das Wasser durch Kometen überhaupt erst auf die Erde gelangt ist. Und wenn man dann noch den großen organischen Anteil eines Kometen berücksichtige, habe man immerhin "zwei der wesentlichen Zutaten des Lebens".

Powered by scienceintermedia