Wissenschafts-PR auf der Talkshow-Couch

Dass das Fernsehen als Plattform für wirtschaftliche Interessen mehr als nur die Werbeblöcke bereit hält, ist weithin bekannt. Insbesondere der Bereich der Kulturindustrie nutzt das Fernsehen um neue Produkte eines Künstlers über die Talkshow-Couch zu promoten. Aber auch wenn Wissenschaft im Fernsehen thematisiert wird steht nicht immer nur die reine Faktenvermittlung im Mittelpunkt. „Die Grenze zwischen PR und Journalismus schwindet“, titelt Corinna Blümel in der Juni-Ausgabe der VDI-nachrichten.
Blümel beschreibt wie prominente Talkshowgästen, als scheinbar neutrale Experten die Botschaften von Lobbyisten direkt in die Wohnzimmer bringen, und wundert sich über die Macher solcher Talkshows, die die gleichen Leute immer wieder vor die Kameras lassen. Oft fehlt in den Redaktionen einfach die notwendige „Kritische Distanz bei der Auswahl von Gesprächspartnern. Dabei wäre es ein Leichtes zum Beispiel im Internet zu recherchieren, wer in welchen Zusammenhängen auftaucht (Lobbycontrol, Nachdenkseiten).
Doch nicht nur die Industrie versucht sich der Medien als PR-Instrumente zu bedienen. Auch in der altehrwürdigen Alma-Mater hofft man auf willfährige Journalisten.
In einem Vortrag an der Hochschule Darmstadt warnte Dr. Julia Rautenstrauch, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, davor, Wissenschaftlern ungeprüft Glauben zu schenken.
Neben der Steigerung der eigenen Anerkennung wollen viele Forscher die Medien nutzen, um Gelder einzuwerben. „Wissenschaftler glauben oft, Medien seien ein Piano, auf dem man nur die richtigen Tasten spielen muss, um die gewünschten Töne zun erhalten.“ Rautenstrauch vermutet das vor allem mangelnde Medienkompetenz der Wissenschaftler die Ursache für eine solch verbreitetet Haltung sei. Zum Super-GAU käme es immer dann, wenn medieninkompetente Wissenschaftler auf fachlich inkompetente Journalisten träfen. „Dann wird die Nachricht zur Ente.“




