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wissenschaft & medien

Archiv für: Juli 2006

12.07.06

Wissenschafts-PR auf der Talkshow-Couch


Dass das Fernsehen als Plattform für wirtschaftliche Interessen mehr als nur die Werbeblöcke bereit hält, ist weithin bekannt. Insbesondere der Bereich der Kulturindustrie nutzt das Fernsehen um neue Produkte eines Künstlers über die Talkshow-Couch zu promoten. Aber auch wenn Wissenschaft im Fernsehen thematisiert wird steht nicht immer nur die reine Faktenvermittlung im Mittelpunkt. „Die Grenze zwischen PR und Journalismus schwindet“, titelt Corinna Blümel in der Juni-Ausgabe der VDI-nachrichten.

Blümel beschreibt wie prominente Talkshowgästen, als scheinbar neutrale Experten die Botschaften von Lobbyisten direkt in die Wohnzimmer bringen, und wundert sich über die Macher solcher Talkshows, die die gleichen Leute immer wieder vor die Kameras lassen. Oft fehlt in den Redaktionen einfach die notwendige „Kritische Distanz bei der Auswahl von Gesprächspartnern. Dabei wäre es ein Leichtes zum Beispiel im Internet zu recherchieren, wer in welchen Zusammenhängen auftaucht (Lobbycontrol, Nachdenkseiten).

Doch nicht nur die Industrie versucht sich der Medien als PR-Instrumente zu bedienen. Auch in der altehrwürdigen Alma-Mater hofft man auf willfährige Journalisten.

In einem Vortrag an der Hochschule Darmstadt warnte Dr. Julia Rautenstrauch, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, davor, Wissenschaftlern ungeprüft Glauben zu schenken.

Neben der Steigerung der eigenen Anerkennung wollen viele Forscher die Medien nutzen, um Gelder einzuwerben. „Wissenschaftler glauben oft, Medien seien ein Piano, auf dem man nur die richtigen Tasten spielen muss, um die gewünschten Töne zun erhalten.“ Rautenstrauch vermutet das vor allem mangelnde Medienkompetenz der Wissenschaftler die Ursache für eine solch verbreitetet Haltung sei. Zum Super-GAU käme es immer dann, wenn medieninkompetente Wissenschaftler auf fachlich inkompetente Journalisten träfen. „Dann wird die Nachricht zur Ente.“

11.07.06

The very best of Wissenschafts-Blogs


Rankings gehören nicht erst seit gestern zu den beliebtesten Relevanz-Navigations-Deutungs-Kauf- & Klick-Entscheidungshilfen in unserer hochvernetzten Welt. Nahezu alles wird gerankt: die meistverkauften Dinge, die meistverheirateten Hollywood-Mimen, die Einflussreichsten, Schönsten und überhaupt Meistbeachteten. Nicht immer sind die Kriterien nach denen Rankings erstellt werden unmittelbar nachvollziehbar – doch der empfundene Konsumentennutzen bleibt davon ungetrübt.

Auch in der Redaktion von „Nature“ dachte man dieser Tage es wäre mal wieder an der Zeit für eine kleine Zahlenparade. Für die Online-Ausgabe von "Nature" hat Technorati nun eine Rangliste der beliebtesten englischsprachigen Blogs aufgestellt, die von Wissenschaftlern geschrieben werden.

In der Tat Wissenschaftler nutzen immer öfter Weblogs, um mit ihrer Community und darüber hinaus zu kommunizieren. Gleichgültig ob Evolutionsbiologen, die sich gegen Kreationisten zur Wehr setzen, Klimaforscher oder Astrophysiker: der ungezwungene Netz-Diskurs über das eigene Handlungsfeld mit dem weltweiten Kollegium und anderen Web-Usern erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Herausgekommen ist eine Liste der Top 50 deren Aussagekraft unter anderem von den Berliner Kollegen von wisskomm relativiert wird:

Etwas zweifelhaft erscheint indes die "Nature"-Methode, sich zur Erstellung der Hitliste am Technorati-Ranking zu orientieren. Technorati ist eine Suchmaschine für Blogs bzw. einzelne Blogthemen, deren Bedeutung man allerdings anzweifeln darf. Schon aus technischen Gründen finden sich zahlreiche Blogs überhaupt nicht bei Technorati, weil sie nicht die spezielle Verlinkung über so genannte Tags nutzen.

Wie "Nature" selbst feststellt, gehören 22 der 50 "top science blogs" zum Netzwerk Scienceblogs. Dieses Netzwerk bezahlt erfolgreiche Blogger. Das können monatlich 70 bzw. 300 Dollar sein - immerhin eine kleine Aufwandsentschädigung. Wichtiger ist aber wohl, dass eine Handvoll prominenter Namen im Netzwerk ein reizvolles Umfeld für Forscher darstellen, die ebenfalls über ein eigenes Blog nachdenken. So ist aus "Scienceblogs" eine starke Gemeinschaft erwachsen, die die Hitliste dominiert.

Die Top-Five:

http://scienceblogs.com/pharyngula
http://www.pandasthumb.org
http://www.realclimate.org
http://cosmicvariance.com
http://scienceblogs.com/scientificactivist

Man darf gespannt sein wann man hierzulande 50 Wissenschafts-Blogs für ein derartiges Ranking ermitteln kann.

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