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wissenschaft & medien

Archiv für: Juli 2008

22.07.08

Empirie: Verlassen die Wissenschaftler den Elfenbeinturm?

Und wenn ja wohin?


Das nicht jeder als schlagfertiger Podiums-Diskutant, charmanter Talkgast oder besonnener Interview-Partner geboren wird ist klar. Doch gerade Wissenschaftler, so ein hierzulande gängiges Vorurteil, tun sich im Umgang mit Medien besonders schwer. Gehören sie doch ohnehin einer Kaste an, die sich in Fachsprachen flüchtet, um ihren verschrobenem und hoch subventionierten Eigenbrötlereien nachzugehen. Begegnet der Forscher dann der Berichterstattung über Wissenschaft in populären Medien, sieht er sich in seinem Solepsismus bestätigt, so eine weitere Alltagsvermutung.

Eine aktuelle Studie, die unter Mitwirkung des Forschungszentrums Jülich entstand, will nun das Gegenteil beweisen: Weit über die Hälfte der befragten Forscher aus den fünf größten Wissenschaftsnationen beschreibt Kontakte mit Journalisten als überwiegend gut. Vier von zehn fanden öffentliche Berichterstattung sogar karriereförderlich. Die These vom „Elfenbeinturm der Wissenschaft“ lässt sich damit nicht mehr halten, schließen die Autoren der Studie.

Huch, denkt da der beflissene Kulturpessimist. Zumindest solange, bis man über die Stichprobe der Studie nachdenkt: Befragt wurden rund 1350 biomedizinische Forscher. Das Scoop-Potenzial dieser Trend-Branche legt ein etwas ketzischeres Deutungsmuster nahe: der gemeine Genomforscher muss den Elfenbeinturm überhaupt nicht verlassen – Medienlobby, PR- und Marketingprofis sind längst eingezogen.

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